Atemlos in Bali
- Dian Flügel

- 1. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Bewusst atmen tue ich rund um die Straßen von Denpasar, Canggu und Co. schon lange nicht mehr. Und doch, jetzt muss ich mal wieder eine ordentliche Nase nehmen:
Verwesung. Modrig. Süß-sauer.
Ich zögere. Atme nochmal ein. Tiefer diesmal. Scheiße. Das ist Müll.
Balis touristisches Epi-Zentrum riecht nach der offiziellen Schliessung der Hauptmüllanlagen eindeutig nach Müll. Nach kleinen, roten, schwarzen, manchmal gestreiften Plastiktüten voller Müll, die an jeder Ecke liegen wie tickende Zeitbomben. Aufgerissen. Feucht. Lebendig. Ratten huschen dazwischen.
Ein Ort weiter.
Rauch.
Die Menschen verbrennen ihren Müll. Überall hängen graue Schleier zwischen den Häusern, ziehen über die Straßen, kriechen in die Lungen. Ich halte die Luft an und zähle automatisch mit. Zwanzig. Dreißig. Vierzig Sekunden. Bei sechzig gebe ich auf.
Ich schnappe nach Luft. Zu schnell. Zu flach. Meine Augen brennen. Ich schliesse sie. Alles spannt sich an. Ich muss wieder die Luft anhalten. Warum lebe ich hier?
Wir fahren in Balis Berge. Sechshundert Meter höher. Nur eine Stunde von Denpasar entfernt. Die Straße windet sich nach oben, und wir hängen hinter vollbeladenen Lastern fest. Böse, schwarze Wolken stoßen aus ihren Auspuffen. Ich drehe den Kopf weg und halte erneut die Luft an.
Die Laster biegen ab. Richtung Gilimanuk dann Jawa. Die Hauptversorgungsader Balis.
Und nach einer Weile plötzlich, etwas anderes. Ich runzle die Stirn. Atme vorsichtig ein. Noch einmal. Tiefer. Ich kenne das.
Grün.
Frisch gemähtes Gras. Ich atme jetzt schneller, fast gierig. Zu schnell. Ein Ziehen in der Seite, aber egal. Da ist etwas, das nicht wehtut.
Mit jedem Meter wird die Luft kühler. Leichter. Weiter. Oben angekommen beginnt es zu regnen. Erst einzelne Tropfen. Dann mehr. Der Regen plätschert auf mein Gesicht, läuft über die Stirn, mischt sich mit dem, was sich festgesetzt hat, durchnässt meine Klamotten.
Ich atme ein. Und diesmal halte ich die Luft nicht an.
Ich atme.
Und atme.
Und atme.
Ach Liebling Bali. Hier versteckst du dich vor uns Menschen.





Kommentare